Friday, October 16, 2026

Besser, schöner, anders? Die "Not like other girls"-Trope & warum sie mehr schadet als nützt

 Man kennt sie. Man war vielleicht selbst mal eine. Oder wurde dazu gemacht. Das Mädchen, das "nicht wie die anderen" ist. Sie liest Bücher, während "die anderen" sich schminken. Sie interessiert sich für Videospiele, während "die anderen" Selfies posten. Sie trägt Sneakers, wo "die anderen" High Heels tragen. Und natürlich ist sie "besonders", weil sie sich gegen die Masse abgrenzt.

Was auf den ersten Blick wie ein Kompliment wirkt ("Du bist nicht so oberflächlich wie die anderen Mädchen!"), ist in Wahrheit ein ziemlicher Verrat, und zwar nicht nur an andere Frauen, sondern auch an sich selbst.

Die "Not like other girls"-Trope verkauft uns die Lüge, dass Wert nur im Vergleich entsteht. Dass man nur dann liebenswert, intelligent oder cool sein kann, wenn man andere Mädchen dafür abwertet. Statt Vielfalt zu feiern, wird die Konkurrenz um Anerkennung angeheizt, eine künstliche Hierarchie aufgemacht, in der niemand wirklich gewinnt - außer vielleicht diejenigen, die von dieser Spaltung profitieren.

Am Ende läuft es immer wieder auf dasselbe hinaus: Weiblichkeit wird abgewertet. Entweder bist du "das kluge Mädchen, das anders ist", oder du bist Teil der anonymen, belächelten Masse. Und egal wie, du bist nie gut genug.

Und das eigentlich Absurde ist doch, dass das überhaupt kein Widerspruch ist. Ein Mädchen kann Bücher lieben, sich schminken, Videospiele mögen und High Heels tragen. Politik spannend finden und trotzdem gerne Selfies posten. Wir bestehen aus vielen Facetten, und man muss nicht eine einzige wählen, um interessant zu wirken. Trotzdem lernen viele früh, dass manche Interessen mehr zählen als andere, und dass Anerkennung oft kommt, wenn man sich von vermeintlich „falschen“ Frauen abhebt.

Die Trope klappt genau deshalb so gut, weil sie nicht wie Frauenfeindlichkeit wirkt. Sie kommt vor wie eine Auszeichnung. Endlich sieht jemand, dass etwas Besonderes da ist. Endlich landet man nicht in derselben Schublade wie die anderen Mädchen. Doch das Kompliment hat seinen Preis: Es verlangt, dass die eigene Überlegenheit rückt, damit etwas Wertvolles entsteht. Und irgendwann wählt man vielleicht die eigenen Interessen danach, wie sie andere unterscheiden, statt danach, was einem tatsächlich gefällt.

Natürlich läuft nichts falsch, wenn anders sein einfach passt. Ärgerlich wird’s erst, wenn Anderssein zur Voraussetzung wird, um Anerkennung zu kriegen. Wenn dafür ständig Distanz zu anderen Frauen nötig ist, um klug, echt oder begehrenswert zu wirken, dann ist das keine Befreiung von Erwartungen. Es ist nur eine andere Art, ihnen zu entsprechen. Eine ablehnende Haltung gegenüber bestimmten Vorstellungen von Weiblichkeit wird damit nur durch eine andere Messlatte ersetzt.

Vielleicht lohnt es sich, zu stoppen und aufzuhören, Mädchen dafür zu loben, dass sie anders sind. Nicht, weil Individualität egal wäre, sondern weil sie keinen Wert hat, sobald dabei andere abgewertet werden. Man muss nicht denselben Weg gehen, dieselben Leidenschaften teilen oder jeden verstehen. Aber aufhören, Unterschiede zu Rangfolgen zu machen, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.

Denn ein Mädchen sollte nicht erst dann besonders sein, wenn man alle anderen Mädchen kleiner macht.

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